Zu unserer Generalversammlung hatten wir Johanna Röh, 36 Jahre, Tischlermeisterin aus Alfhausen, zu Gast:

Vor über 80 kfd-Frauen hat Johanna Röh sehr persönliche Einblicke gegeben in ihr Leben vier Jahre auf der Walz: Eine spannende Zeitreise in Wort und Bild, die uns viele Fragen beantworten konnte. Bereits mit 16 Jahren ist Johanna Röh von dem landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern nach Kassel gezogen, um dort eine Tischlerausbildung zu machen – und nebenbei das Abitur. Direkt nach dem Abitur ging sie auf Wanderschaft.

Im deutschsprachigen Raum sind etwa 600 bis 800 Wandergesellen aller Gewerke auf der Walz unterwegs. Nur zehn Prozent davon sind weiblich. Johanna bekam ihre Handwerker-Kluft und ein Wanderbuch. Ihr Ansporn: Das Land kennenlernen, sich selbst kennenlernen und handwerklich dazulernen. Misstrauen in die Menschen, habe sie mit den Wanderjahren verloren. Ihre Reise begann in Deutschland, Europa, dann Kanada, Neuseeland und schließlich Japan – und immer ohne Handy, ohne feste Unterkunft oder finanzielle Sicherheit. Und nicht immer so idyllisch, wie man sich das Wandern vorstellt, sondern ganz real: Eine Schneeschuhwanderung in Kanadas Bergen bei Schneesturm, würde sie nicht noch einmal machen!

Uralte Traditionen und Bräuche tragen dazu bei, dass sich die Wandergesellen auf der Walz sittlich verhalten. Sie sollten kein „Schlitzohr sein“ oder „etwas auf dem Kerbholz haben“. Kerben für Verfehlungen muss man von alters her mit guten Taten wieder ausbügeln. Überhaupt darf nur auf Wanderschaft, wer zwischen 18 und 30 Jahre alt ist, keine Schulden hat, keine Kinder, unverheiratet und ungebunden ist.

Vorurteile gegen Frauen im Handwerk hat Johanna in den Ländern sehr unterschiedlich erlebt. Die legten sich meist, wenn die Fremden sahen, dass Johanna ihr Handwerk beherrscht. In Japan wurde sie Teil einer Gemeinschaft und hält weiter Kontakte nach Japan.

Heute betreibt Johanna Röh eine eigene Tischlerei auf dem Hof ihrer Eltern in Alfhausen und lebt dort heimatverbunden mit Mann und Kind. Zudem engagiert sie sich gegen soziale Ungleichbehandlungen: Seit ihrer eigenen Schwangerschaft vor 3 Jahren ist „Mutterschutz für Selbstständige“ ein großes Thema, das sie politisch bewegt.  Mittlerweile liest man nicht nur in der Zeitung von ihr, sondern Johanna Röh ist im Fernsehen vor der Tagesschau zu sehen mit einer innovativen Idee zur Buchführung im Handwerk. Johanna Röh hat uns mit ihrer Persönlichkeit und ihrem mutigen Lebensweg tief beeindruckt. Wir sind gespannt, was wir als nächstes von ihr hören und sehen.